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Geschichte des Akademiearchivs

Das Archiv der Berliner Akademie der Wissenschaften wurde schon bald nach der GrĂŒndung der KurfĂŒrstlich Brandenburgischen SozietĂ€t der Wissenschaften eingerichtet.

Gottfried Wilhelm Leibniz selbst, BegrĂŒnder und erster PrĂ€sident der Berliner SozietĂ€t der Wissenschaften, legte der Akademie die archivische Aufbewahrung ihrer Untersuchungsergebnisse und Unterlagen nahe. In der von ihm verfassten Generalinstruktion vom 11. Juli 1700, neben dem Stiftungsbrief gleichen Datums das HauptgrĂŒndungsdokument der Berliner Wissenschaftsakademie, heißt es: "Wir wollen auch dasjenige, so von dergleichen VorschlĂ€gen und Werken ... an uns etwan gebracht wird, der SocietĂ€t zukommen und communicieren lassen, damit alles von der SocietĂ€t nach Notdurft untersuchet, ... verbessert oder auch verworfen, das Gute aber in Acta gebracht, auch verwahret und beybehalten und nicht, wie es sonst mit vielen nĂŒtzlichen Erfindungen und Concepten ergangen, verlohren oder vergessen werde." Die Einrichtung des Archivs der Akademie, das zum damaligen Zeitpunkt noch nichts anderes sein konnte als die reponierte Altregistratur der SozietĂ€t, gehörte zu den Aufgaben des Ordentlichen Mitglieds und Sekretars der Berliner SozietĂ€t der Wissenschaften, Johann Theodor Jablonski (1654-1731), der im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts das Archiv betreute. Seine HaupttĂ€tigkeit war jedoch, die wissenschaftlichen und administrativen GeschĂ€fte der Akademie zu fĂŒhren. Die frĂŒhe Existenz des Archivs der Berliner Akademie der Wissenschaften bezeugt ein Bericht ihres Sekretars Jablonski an den AkademieprĂ€sidenten Leibniz aus dem Jahre 1707. Darin teilt dieser mit, dass der preußische König Friedrich I. ein ihm zugesandtes Manuskript "ad archivum societatis" weitergereicht habe.


Wie wir aus den Akten wissen, wurde das in den ersten drei Jahrzehnten nach GrĂŒndung der Akademie entstandene Aktenschriftgut in der Wohnung des Akademiesekretars J. Th. Jablonski aufbewahrt. Von dort gelangte es nach dessen Tod 1731 auf das Observatorium in der Dorotheenstraße, bis zum Jahre 1752 Hauptsitz der Akademie. Dort diente eine kleine Kammer fĂŒr lĂ€ngere Zeit als Aufbewahrungsort des Archivs. 1753 - ein Jahr nach dem Umzug der Akademie in ihr neues GebĂ€ude Unter den Linden - wurde auch das Archiv vorĂŒbergehend in das HauptgebĂ€ude verlagert. Sein Zustand ließ allerdings zum damaligen Zeitpunkt sehr zu wĂŒnschen ĂŒbrig. So wurden in der Plenarsitzung der Akademie am 5. Oktober 1758 eigenhĂ€ndige Schriften von Leibniz zur GrĂŒndung der Akademie vorgelegt, die man "sous l’escalier de l’observatoire" gefunden hatte.


Von grundlegender Bedeutung fĂŒr die Entwicklung des Akademiearchivs im 18. Jahrhundert wurde das Jahr 1765. Im Februar jenen Jahres setzte Friedrich II. eine Kommission aus den Akademiemitgliedern Leonhard Euler, Johann Georg Sulzer, Louis Isaac de Beausobre, Jean de Castillon, Johann Bernhard Merian und Johann Heinrich Lambert ein, die im königlichen Auftrag die wĂ€hrend des SiebenjĂ€hrigen Krieges stark zurĂŒckgegangenen EinkĂŒnfte der Akademie aus dem Kalender- und Landkartenverkauf ĂŒberprĂŒfen und VorschlĂ€ge zur Erhöhung der Akademieeinnahmen unterbreiten sollte. Die Mitglieder dieser "Commission nommĂ©e par Sa MajestĂ© pour examiner les revenues de l’AcadĂ©mie" stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass zahlreiche Unterlagen, die man im Archiv vermutete, sich noch in den Wohnungen des Akademiesekretars Jean Henri Samuel Formey und des Kalenderadministrators und Tresoriers der Akademie David Köhler befanden. Dies war fĂŒr die Kommissionsmitglieder Anlass genug, die Neueinrichtung des Archivs zu beraten und auch durchzusetzen.


In dem von der Kommission ausgearbeiteten Etat der Akademie fĂŒr das Jahr 1766, der am 16. September 1765 an Friedrich II. zur BestĂ€tigung eingereicht wurde, war auch die Stelle eines Archivars mit einem jĂ€hrlichen Gehalt von 250 Talern vorgesehen. Per Kabinettsdekret vom 22. September 1765 teilte Friedrich II. der Kommission mit, dass er den eingereichten Akademieetat mit seiner eigenhĂ€ndigen Unterschrift gebilligt habe. Damit war auch das Amt des Archivars an der Akademie bestĂ€tigt.


Die Frage nach zweckmĂ€ĂŸigster Einrichtung und Unterstellung des Archivs war Anlass einer harten Auseinandersetzung zwischen Euler und den ĂŒbrigen Kommissionsmitgliedern. Dahinter verbarg sich das Ringen darĂŒber, ob die Leitung der Akademieverwaltung weiterhin von den Akademiedirektoren ausgeĂŒbt werden sollte, oder ob die neugebildete Kommission nunmehr fĂŒr die gesamte Akademieverwaltung zustĂ€ndig sei. Euler, Direktor der Mathematischen Klasse und seit dem Weggang des AkademieprĂ€sidenten Maupertuis aus Berlin im Jahre 1753 mit Billigung Friedrichs II. Leiter der Akademieverwaltung, musste schon die Bildung der Untersuchungskommission als Missbilligung seiner bisherigen administrativen TĂ€tigkeit empfinden.


In der Sitzung der Kommission am 3. Oktober 1765 legte Euler mit seinem Entwurf "Sur l’Etablissement de l’Archif" seine Auffassungen ĂŒber die Einrichtung des Archivs in schriftlicher Form vor. Euler wies darauf hin, dass das Archiv der Akademie bisher aus zwei Abteilungen bestehe, von denen die eine das aus der wissenschaftlichen TĂ€tigkeit der Akademie entstandene Registraturgut umfasse, wĂ€hrend die andere das durch die indirekte Finanzierungsform der Akademie (Kalendermonopol etc.) bedingte sehr umfangreiche ökonomische und administrative Registraturgut enthalte. Jede der beiden Archivabteilungen sollte nach Eulers Vorstellungen von einem Archivar betreut werden, wobei es fĂŒr ihn unabdingbar war, dass der Tresorier der Akademie gleichzeitig das Amt des Archivars fĂŒr das ökonomische und administrative Aktenschriftgut ausĂŒbe. Hinsichtlich der personellen Besetzung schlug Euler vor, es bei der bisherigen Regelung zu belassen, dass also der BestĂ€ndige Sekretar Formey fĂŒr das Archivgut aus der wissenschaftlichen TĂ€tigkeit zustĂ€ndig sei, wĂ€hrend der ehemalige Kalenderadministrator und jetzige Tresorier Köhler aufgrund seiner Detailkenntnisse das ökonomische und administrative Archivgut betreuen solle.


Die VorschlĂ€ge Eulers stießen bei den ĂŒbrigen Mitgliedern der Kommission, die sich schon bald Ökonomische Kommission nannte, auf entschiedene Ablehnung. Sie hielten es fĂŒr nicht ratsam, das Archiv in den HĂ€nden von zwei Personen und damit an zwei verschiedenen Stellen zu belassen, sondern plĂ€dierten fĂŒr ein einheitliches Archiv an einem Ort unter Beibehaltung der beiden historisch gewachsenen Abteilungen. Das Archiv sollte weder vom BestĂ€ndigen Sekretar noch vom Tresorier der Akademie, sondern von einer von diesen FunktionstrĂ€gern unabhĂ€ngigen Person geleitet werden. Schließlich wurde erwogen, das Archiv der Ökonomischen Kommission zu unterstellen, die fĂŒr ihre TĂ€tigkeit auf dessen Unterlagen zurĂŒckgreifen musste. Die Auseinandersetzung um die Einrichtung des Archivs wie um die Entscheidungsbefugnisse in den Finanz- und Verwaltungsangelegenheiten der Akademie veranlassten Euler, im November 1765 seine Mitgliedschaft in der Ökonomischen Kommission niederzulegen. EnttĂ€uscht verließ er ein Jahr spĂ€ter Berlin und ging an die Petersburger Akademie der Wissenschaften zurĂŒck.


Die Aufgaben des Akademiearchivars wurden noch im Jahre 1765 von der Ökonomischen Kommission in einem ausfĂŒhrlichen Reglement festgelegt. Danach hatte der Archivar an den Sitzungen der Akademie teilzunehmen, um sich Notizen ĂŒber die eingegangenen Schreiben und Manuskripte zu machen, die er dann zu gegebener Zeit fĂŒr das Archiv anfordern sollte. Vom BestĂ€ndigen Sekretar der Akademie hatte er alljĂ€hrlich dessen Protokolle und Akten zu fordern und ins Archiv zu ĂŒberfĂŒhren. Nach dem Reglement sollte der Archivar außerdem als Registrator und Kopist fĂŒr die Akademie zur VerfĂŒgung stehen.


Es ist also der Ökonomischen Kommission zu verdanken, dass seit 1765 das Akademiearchiv als eigenstĂ€ndige Einrichtung der Berliner Akademie der Wissenschaften besteht. Am 17. Januar 1766 nahm als erster Archivar der Hofrat Flesche die Arbeit nach dem neuen Reglement auf. Kurz darauf folgte ihm der Professor fĂŒr Geschichte an der Ritterakademie Jakob Weguelin, der am 13. November 1766 Ordentliches Mitglied der Berliner Akademie wurde und bis zu seinem Tode im Jahre 1791 das Amt des Archivars innehatte.


Um alle wichtigen Quellenunterlagen im akademischen Archiv zusammenzufassen, forderte die Ökonomische Kommission die Akademiedirektoren und den BestĂ€ndigen Sekretar auf, die Ă€lteren noch in ihrem Besitz befindlichen Protokolle, Manuskripte und Korrespondenzen an das Archiv zu ĂŒbergeben. FĂŒr die Vereinigung der beiden bisherigen Teilarchive zu einem einheitlichen Archiv gab es auf dem Observatorium ausreichend Platz. Dieser Standort war von der Ökonomischen Kommission, die bis 1798 tĂ€tig war, offensichtlich bewusst gewĂ€hlt worden, fanden doch auch dort die wöchentlichen Sitzungen der Kommissionsmitglieder statt. Nach der Neueinrichtung des Archivs begann man sogleich mit umfangreichen Ordnungsarbeiten am Archivbestand. In den Jahren 1766 bis 1768 wurde das aus der wissenschaftlichen, ökonomischen und administrativen TĂ€tigkeit der Akademie hervorgegangene und im Archiv aufbewahrte Archivgut in drei GesamtregisterbĂ€nden durch alphabetische Sachbetreffe erfasst. 1786 entstand das Ă€lteste erhaltene Findbuch des Archivs, der "Catalogue des actes".

Trotz der schon damals vorgenommenen Sicherung des Archivgutes der Akademie blieben Verluste in der AktenĂŒberlieferung aus dem 18. Jahrhundert nicht aus. Dies hĂ€ngt weniger damit zusammen, dass wĂ€hrend der Napoleonischen Kriege französische Truppen im Jahre 1806 Berlin besetzten und dabei auch das akademische Archiv zweimal heimsuchten, als mit der Haltung fĂŒhrender AkademiereprĂ€sentanten zum Schriftgut der Akademie. So achteten weder der AkademieprĂ€sident Maupertuis (1698-1759) noch der Akademiesekretar Formey (1711-1797) auf eine Trennung zwischen der im Auftrage der Akademie gefĂŒhrten dienstlichen Korrespondenz und ihrer umfangreichen Privatkorrespondenz. Dadurch gelangten nach ihrem Tod ihre schriftlichen NachlĂ€sse mit der darin enthaltenen dienstlichen Korrespondenz in verschiedene HĂ€nde und Aufbewahrungsorte außerhalb der Akademie. Das Dankschreiben des EnzyklopĂ€disten Denis Diderot vom 5. Mai 1751 ĂŒber seine Aufnahme in die Berliner Akademie der Wissenschaften sucht man zum Beispiel vergeblich in den Akten des Akademiearchivs. Es befindet sich im Archiv der AcadĂ©mie des Sciences in Paris, das seit 1990 den Nachlass des Berliner AkademieprĂ€sidenten Maupertuis besitzt.


Nach der Reorganisation der Berliner Akademie der Wissenschaften in den Jahren 1807 bis 1812 wurde das Aufgabengebiet des Archivars noch erweitert. Neben seiner TĂ€tigkeit als Archivar und Registrator war er nun auch fĂŒr die Bibliothek der Akademie, den Druck der akademischen Schriften sowie fĂŒr die Verwaltung und Inventarisierung des Kunstbesitzes der Akademie zustĂ€ndig. Seine umfangreichen und verschiedenartigen Aufgaben wurden in der vom Sekretariat der Akademie am 8. Juni 1825 beschlossenen "Instruction fĂŒr den Archivar der Königlichen Akademie der Wissenschaften" in 14 Punkten spezifiziert. In den Statuten der Akademie vom 31. MĂ€rz 1838 ist das Amt des Archivars in den Paragraphen 40 und 41 erstmals und ausfĂŒhrlich erwĂ€hnt.


1824 wurde Karl Heinrich Ulrici Akademiearchivar. Bei seinem Amtsantritt fand er das Archiv in trostlosem Zustand vor. Durch bauliche VerĂ€nderungen am AkademiegebĂ€ude hatte das Archiv seine RĂ€ume zu dieser Zeit vorĂŒbergehend aufgeben mĂŒssen. Die Akten hatte man dabei auf dem Dachboden der Akademie wahllos aufeinander geworfen. Die zum Teil ungehefteten Akten fielen auseinander, so dass Ulrici nach eigener Aussage "einen großen Haufen einzelner Papiere, der Zerstörung preisgegeben", vorfand. Nach umfangreichen Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten an den Akademieakten aus der Zeit von 1700 bis 1811 konnte er im Jahre 1832 ein neues Findbuch, das "Repertorium ĂŒber die im Archive der Königlichen Akademie der Wissenschaften befindlichen AktenstĂŒcke, 1. Abschnitt von 1700 bis 1811 incl." vorlegen. Diesem Findbuch liegt ein vorzĂŒgliches Ordnungsschema nach sachlichen Gesichtspunkten zugrunde, das sich bis heute bewĂ€hrt hat. Ulrici legte auch ein Findbuch zu den im akademischen Archiv vorhandenen Preisschriften ĂŒber die von der Akademie gestellten Preisaufgaben, zu den AkademievortrĂ€gen der Mitglieder und zu den sonstigen Manuskripten an.


Neben dem dienstlichen Schriftgut der Akademie, das "ex officio" in das Archiv ĂŒbernommen wurde, gelangten seit der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts und verstĂ€rkt im 20. Jahrhundert die schriftlichen NachlĂ€sse von Akademiemitgliedern und anderen bedeutenden Wissenschaftlern durch Schenkung, Ankauf oder als Depositum in die Obhut des Archivs. Diese NachlĂ€sse sind nach 1945 die zweite SĂ€ule in der Bestandstektonik des Archivs.


Als 1944 die Literaturarchiv-Gesellschaft, 1891 auf Initiative des Philosophen und Akademiemitglieds Wilhelm Dilthey (1833-1911) zum Zwecke der Sammlung, Bewahrung und Auswertung von NachlĂ€ssen bedeutender Persönlichkeiten aus Literatur, Wissenschaft und Kunst gegrĂŒndet, aufgelöst wurde, gingen deren NachlassbestĂ€nde in den Besitz der Preußischen Akademie der Wissenschaften ĂŒber. Sie wurden zunĂ€chst von der Deutschen Kommission der Preußischen Akademie der Wissenschaften, spĂ€ter vom Institut fĂŒr deutsche Sprache und Literatur der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin betreut. 1968 wurden die NachlassbestĂ€nde der ehemaligen Literaturarchiv-Gesellschaft aus dem Institut fĂŒr deutsche Sprache und Literatur in das laut Akademiestatut dafĂŒr zustĂ€ndige Akademiearchiv ĂŒberfĂŒhrt. Seit dieser Zeit nimmt das Archiv mit seinen literarischen NachlĂ€ssen einen der ersten PlĂ€tze unter den Literaturarchiven im deutschsprachigen Raum ein.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges wurden die BestĂ€nde des Akademiearchivs aus SicherheitsgrĂŒnden in einen Salzbergwerksschacht bei Bernburg an der Saale ausgelagert, von dort kehrten sie nach Kriegsende ohne grĂ¶ĂŸere Verluste in das alte, durch KriegsschĂ€den erheblich zerstörte AkademiegebĂ€ude Unter den Linden zurĂŒck. Die 1946 von der sowjetischen Armee in die Sowjetunion verbrachten Archivalien der Preußischen Akademie der Wissenschaften, darunter drei FoliobĂ€nde mit den Diplomen Alexander von Humboldts und ein Protokollband mit den Sitzungsprotokollen der Gesamtakademie aus dem Jahre 1890, gelangten aufgrund der deutsch-sowjetischen bzw. deutsch-georgischen Verhandlungen ĂŒber den Austausch kriegsbedingt verlagerten Archivgutes erst 1996 und 1997 in das Akademiearchiv zurĂŒck. Am 1. MĂ€rz 1952 wurde das Archiv als wissenschaftliche Einrichtung der Akademie durch Beschluss des PrĂ€sidiums der am 1. Juli 1946 auf Grundlage des Befehls Nr. 187 der Sowjetischen MilitĂ€radministration in Deutschland wiedereröffneten Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin neu begrĂŒndet. In Abstimmung mit der Staatlichen Archivverwaltung der DDR besaß das Akademiearchiv von Anfang an den Charakter eines Endarchivs mit alleiniger ZustĂ€ndigkeit fĂŒr das aus der TĂ€tigkeit der Akademie seit 1700 bereits erwachsene bzw. noch entstehende Schrift-, Bild- und Tonschriftgut sowie fĂŒr die im Besitz der Akademie befindlichen schriftlichen NachlĂ€sse von Akademiemitgliedern und anderen bedeutenden Wissenschaftlern. Diese Endarchivfunktion wurde spĂ€ter in den Statuten und Akademieanweisungen sowie in den archivgesetzlichen Bestimmungen der DDR verankert.

Bereits 1957 war das Archiv mit seinen BestĂ€nden in das HauptgebĂ€ude der Akademie am Gendarmenmarkt umgezogen, hier boten die unterirdischen TresorrĂ€ume der ehemaligen Preußischen Staatsbank gute Lagerungsbedingungen.

Die 1946 beginnende Umwandlung der Berliner Akademie der Wissenschaften von einer Gelehrtengesellschaft in eine Akademie mit eigenen Forschungsinstituten wirkte sich auch auf das Akademiearchiv aus. Angesichts der territorial breit gefĂ€cherten Verteilung der Forschungseinrichtungen der Akademie ĂŒber die gesamte DDR schied eine zentralisierte Aufbewahrung des zu archivierenden Aktenschriftgutes aller Akademieinstitute im Akademiearchiv in Berlin wegen nicht vorhandener MagazinkapazitĂ€ten von vornherein aus. Das Archiv stand daher vor der Ende der fĂŒnfziger Jahre begonnenen Aufgabe, ein Archivnetz aufzubauen und in den Instituten Institutsarchive als Zwischenarchive einzurichten. Das fĂŒr alle Institutsarchive zustĂ€ndige Endarchiv war das Akademiearchiv, ihm oblag die fachliche Anleitung und Kontrolle der in den Institutsarchiven eingesetzten Archivbeauftragten.

Neben Sicherung und ErgĂ€nzung der ArchivbestĂ€nde war die nutzerorientierte Erschließung des Archivgutes ein weiterer Schwerpunkt der vergangenen Jahrzehnte. Durch Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten wurde die Auswertbarkeit der BestĂ€nde in allen Archivabteilungen spĂŒrbar verbessert. 1972 begann das Archiv auch mit der Erfassung und Katalogisierung des Kunstbesitzes der Akademie, der 1983 aus dem Archiv herausgelöst und zu einer eigenstĂ€ndigen Kustodie zusammengefasst wurde.


In der Zeit des Umbruchs von 1989 bis 1990 war auch das Fortbestehen des Akademiearchivs in Frage gestellt. Mit der Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990 und dem Einigungsvertrag vom 31. August 1990 wurde die Akademie der Wissenschaften der DDR als GelehrtensozietĂ€t von den Forschungsinstituten und sonstigen Einrichtungen getrennt. Über die FortfĂŒhrung der GelehrtensozietĂ€t sollte landesrechtlich entschieden werden. Die Forschungsinstitute und sonstigen Einrichtungen sollten als Einrichtungen der SitzlĂ€nder bis zum 31. Dezember 1991 fortbestehen. In dieser Zeit wurden die wissenschaftlichen Einrichtungen durch den Wissenschaftsrat begutachtet. Am 3. Oktober 1990 war das Archiv mit seinen BestĂ€nden in die ZustĂ€ndigkeit des Landes Berlin ĂŒbergegangen. Wie alle anderen Institute und Einrichtungen der DDR-Akademie unterstand es der Interimsadministration KAI-AdW (Koordinierungs- und Abwicklungsstelle fĂŒr die Institute und Einrichtungen der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR). Hinsichtlich Herkunft, Inhalt und Nutzung seiner ArchivbestĂ€nde verstand es sich jedoch gleichzeitig als infrastrukturelle Einrichtung der GelehrtensozietĂ€t.

Entscheidend fĂŒr den Fortbestand des Akademiearchivs war die im Dezember 1990 vom Berliner Senat berufene Planungsgruppe von Wissenschaftlern aus Ost und West, die Vorstellungen ĂŒber eine kĂŒnftige Akademie der Wissenschaften in Berlin entwickeln sollte. Zur gleichen Zeit beantragte der damalige PrĂ€sident der Gelehrtengesellschaft beim Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland die Evaluierung des Akademiearchivs. Diese fand am 18. MĂ€rz 1991 durch den Wissenschaftsrat statt. Dessen Empfehlung stellte die Weichen fĂŒr die Angliederung des Archivs an die neu zu konstituierende Akademie der Wissenschaften in Berlin. Ab 1. Januar 1992 unterstand es bis zur Übernahme durch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften der "Koordinierungs- und Aufbau-Initiative fĂŒr die Forschung in den LĂ€ndern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen e.V." (KAI e.V.), die aus KAI-AdW hervorgegangen war.


Das Archiv wurde mit der archivischen Sicherung und Übernahme der schriftlichen Hinterlassenschaft aus den zum Jahresende 1991 aufgelösten Akademieinstituten und -einrichtungen betraut. Schon im Laufe des Jahres 1991 war das Archiv mit einem massenhaften Zustrom dienstlichen Schriftguts der aufgelösten Zentralen Leitungsorgane und Verwaltungsabteilungen der DDR-Akademie konfrontiert worden.

Mit dem durch den Einigungsvertrag festgelegten Übergang der Institute und Einrichtungen in die Hoheit der SitzlĂ€nder entfiel die Funktion eines Endarchivs fĂŒr den Gesamtbereich der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR. In Absprache mit KAI-AdW, dem Berliner Landesarchiv und der Senatsverwaltung fĂŒr Wissenschaft und Forschung war es allerdings fĂŒr das dienstliche Schriftgut - einschließlich Personalakten - der in Berlin gelegenen Akademieinstitute und -einrichtungen zustĂ€ndig. Das Archiv konzentrierte sich daher im Jahr 1992 auf die Übernahme und archivische Sicherung des Aktenschriftgutes aus den ĂŒber 40 aufgelösten Berliner Akademieinstituten und -einrichtungen. Um die betrĂ€chtlichen Aktenschriftgutmengen archivisch sichern zu können, wurde 1992 eine Außenstelle mit einer LagerungskapazitĂ€t von 3 000 lfm Akten eingerichtet. Insgesamt ĂŒbernahm das Archiv in den Jahren 1990-1993 2 500 lfm Akten, darunter 15 000 Personalakten. Inzwischen hatte es auch die Akten der ehemaligen Westberliner Akademie der Wissenschaften sowie von KAI-AdW und KAI e.V. ĂŒbernommen.


Ein entscheidender Schritt zur Anbindung des Archivs an die neu zu errichtende Akademie der Wissenschaften war der von den LĂ€ndern Berlin und Brandenburg ausgearbeitete Staatsvertrag ĂŒber die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, der am 1. August 1992 in Kraft trat. Artikel 12, Absatz 2 des Staatsvertrages legte fest, dass die neukonstituierte Akademie die Infrastruktureinrichtungen (Bibliothek, Archiv, Kustodie) der GelehrtensozietĂ€t der DDR-Akademie ĂŒbernimmt. Am 28. MĂ€rz 1993 fand der Festakt zur Neukonstituierung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt. Eine vom Plenum der Akademie gewĂ€hlte Kommission fĂŒr die Bibliotheks-, Archiv- und Publikationsangelegenheiten legte die Aufgabenstellung und Struktur des Archivs fest. Die Kommission entschied, dass der 1983 aus dem Akademiearchiv herausgelöste und in einer Kustodie zusammengefasste Kunstbesitz der ehemaligen Akademie wieder in die Abteilung Sammlungen des Archivs zurĂŒckzufĂŒhren sei. Die Kommission erarbeitete außerdem eine Archiv- und Benutzungsordnung.

Seit dem 1. Januar 1994 ist das Archiv eine wissenschaftliche Einrichtung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und als solche dem Wissenschaftsdirektor unterstellt. Das Archiv ist im AkademiegebĂ€ude am Gendarmenmarkt in der JĂ€gerstraße 22/23 untergebracht. Seine Außenstelle befindet sich am Hausvogteiplatz 5-7.

In den Jahren 2012 und 2013 ist das Akademiearchiv grundlegend saniert worden. Es konnte ein großer und modern ausgestatteter Lesesaal im Eingangsbereich des Archivs mit 11 LeseplĂ€tzen, darunter zwei Online-PlĂ€tze, geschaffen werden. Die AusstellungsflĂ€chen wurden vergrĂ¶ĂŸert, so dass die SchĂ€tze des Archivs besser prĂ€sentiert und auch grĂ¶ĂŸere Personengruppen zu ArchivfĂŒhrungen eingeladen werden können. Der bisherige Lesesaal wurde in einen Findmittel- und Veranstaltungsraum umgewandelt. Dadurch können im Archivbereich auch kleinere Veranstaltungen oder ZusammenkĂŒnfte mit bis zu 15 Personen durchgefĂŒhrt werden. Im Hauptmagazin konnte durch den Einbau moderner Regalkompaktanlagen die LagerungskapazitĂ€t von 1.900 auf 2.000 Regalmeter erhöht werden. Durch die Klimatisierung des Magazinbereichs und andere Maßnahmen wurden hier optimale Lagerungsbedingungen
fĂŒr das kostbare Archivgut geschaffen.


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